Oder zunächst: Mein wohl größtes Desaster

Heute wird mein Beitrag sehr persönlich. Inspiriert wurde ich dazu durch den Beitrag von Anne Heintze in Ihrem Beitrag zur 21-Tage-Sichtbarkeits-Challenge von Christina Emmer.

Vorneweg: Schon als ich nach meinem Abitur überlegt habe, welche berufliche Laufbahn ich einschlagen will, stand für mich fest: Ich will beruflich erfolgreich sein und auch einmal Familie haben.

Das passende Lebensmodell

Auch heute noch: Ich arbeite sehr gern und liebe meine Kinder. Es kommt für mich persönlich nur nicht in Frage entweder nur Mutter oder nur Karrierefrau zu sein. Ich brauche Beides. Nur mal so nebenbei – da darf jeder sein ganz persönliches passendes Lebensmodell finden. Nichts finde ich schlimmer, als wenn wir unser eigenes Modell damit „rechtfertigen“, ein anderes schlecht zu machen. Wichtig ist nur, ich muss mich damit gut fühlen. Ich weiß eben, dass ich meinen Kindern keine gute Dauergesellschafterin bin. Ebenso kann ich mir nicht vorstellen, meine Kinder tagelang nicht zu sehen, weil ich Vollzeit oder sogar noch darüber hinaus tätig bin.

Möglichkeiten

Insofern habe ich schon immer ganz begeistert Artikel, Beiträge usw. gelesen, die davon berichteten, welche Möglichkeiten es gibt, z. B. eine Führungsposition im Job-Sharing, Tandem-Lösung usw. zu besetzen. Klar, egal wie viele positive Resultate ich dabei gesehen habe, gibt es doch ganz oft die Aussagen, bei uns geht das aber nicht, weil…

Meine Ideal-Lösung?

Als ich dann erst relativ spät schwanger geworden bin, habe ich immer noch geglaubt, dass ich mit meinem Chef, eine Lösung finden würde, die für uns beide akzeptabel ist. Ich habe mir vorgestellt, dass ich am Anfang viel im Home Office arbeiten wollte. Das erschien mir durchaus sinnvoll, weil ich damals so meine Berichte, Personal-Abrechnungen etc. ungestört hätte erledigen können. Das ging nämlich im normalen Büro-Ablauf manchmal ganz und gar nicht, weil wir mit bis zu 4 Personen im Büro saßen, wo auch immer mal wieder andere Mitarbeiter herein kamen und ich da doch oft unterbrochen wurde. Technisch war das problemlos möglich. Da auch unsere Mitarbeiter alle sehr eigenverantwortlich und selbständig arbeiteten, bedarf es auch keiner, wenn ich es mal so bezeichnen darf, dauerhaften Kontrolle. Schließlich ist es anhand der Ergebnisse sowieso erkennbar.

Mein größtes Desaster

Und nun kommt es: Mein größtes Desaster erlebte ich an dem Tag, als mein damaliger Chef mir ca. 10 Wochen vor der Geburt meines ersten Kindes mitteilte, dass ich kein Home Office machen könnte. Ich war maßlos enttäuscht, wusste erst einmal keinen Ausweg und heulte die ersten 2 Tage bei jeder Gelegenheit. Ich tat mir schrecklich leid (half aber nix!). Vorher hatte ich immer geglaubt, wenn wir das (also neue Möglichkeiten auszuprobieren, wenn es um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie geht) nicht mit dem Chef machen können, mit wem dann? Weit gefehlt! Noch dazu so kurzfristig, was daran lag, dass mein Chef nur selten im Haus war (!!!!!!!) und das Gespräch immer wieder verschob und ich (im Innersten wohl schon die Sorge um die künftige Absage) das Gespräch nicht mit Nachdruck einforderte (für mich selbst zu fordern, fiel mir immer schwer…).

Elternzeit?

Weshalb ich dann nicht einfach in Elternzeit gegangen bin? Tja, ich hatte mich zu einer Zeit, als noch keine Rede von Elterngeld war und dadurch für mich auf jeden Fall klar war, dass ich beides vereinbaren will oder auch finanziell muss, privat krankenversichert. Insofern hätte das geheißen, Krankenversicherung zu 100 % allein tragen (als Angestellte bekommt man vom Arbeitgeber die Hälfte des Beitrages erstattet, zumindest bis zur Hälfte des höchsten gesetzlichen Beitrags) plus in unserem Fall auch zusätzlich der Beitrag des Kindes. Damit wären schon mal knapp 750 € vom Elterngeld dafür weg gewesen. Das hätte finanziell für uns nicht funktioniert.

Unsere Kompromiss-Lösung!

Die Lösung war dann erst einmal, dass mein Mann Elternteilzeit nahm und unser Kleiner in der Zeit, in der wir beide arbeiteten, zur Tagesmama (das war die Tochter von unserem Nachbarn, was ich bisher gar nicht wusste) kam. Blöd war nur, dass ich litt und mein Kind vermisste. Übrigens: Das wusste ich so wirklich erst, nachdem ich den kleinen Fratz wahrhaftig in meinen Armen hielt. Vorher habe ich auch immer gesagt (Asche über mein Haupt!), dass ich gar nicht weiß, was die ganzen Mamas so den ganzen Tag machen (da hatte ich bevorzugt die vor Augen, die ich in meinen Mittagspausen, shoppend und kaffeetrinkend in der City sah). Heute sage ich deshalb: Ich nehme alles zurück und behaupte das Gegenteil und sage (wenn überhaupt) anderen baldigen Müttern, dass sie erst einmal abwarten dürfen bis das Baby in ihren Armen liegt und wir uns dann wieder sprechen.

Alternative

Ich fing also wieder an, das Gespräch mit meinem Chef zu suchen. Ob es nicht möglich wäre, 30 Stunden im Büro zu arbeiten und abends im Home Office (immer noch vorhandene Vorzüge siehe oben)? Nach etlichem Hin und Her, ließ er sich offensichtlich schweren Herzens darauf ein. Allerdings sollte ich das niemanden sagen?!?! Sonst wolle das noch jede/r machen und das ginge ja nicht (dazu aber später mal ein gesonderter Beitrag). Und außerdem (ich weiß es gerade nicht mehr wortgetreu, deshalb an dieser Stelle der ungefähre Tenor), wäre er schon enttäuscht, dass ich hier so auf meinen persönlichen Vorteil bedacht wäre. Was soll ich sagen? Das war überhaupt nicht meine Intention! Weder arbeitstechnisch (ja da beharre ich stur!) noch hinsichtlich meines persönlichen Vorteils. Ich wollte die Möglichkeit für alle schaffen. Es ist mir nicht gelungen.

Fazit

Mein Fazit: Es ist wahrlich keine einfache Aufgabe, lang eingefahrene Strukturen zu verändern. Noch schwieriger ist es, wenn man Themen erst angeht, wenn sie für einen selbst akut werden. Ja das würde ich heute sicherlich anders machen. Deshalb gibt es die Thiematik-Online-Akademie für Frauen in Führungspositionen.

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Sonnige Grüße

Deine Nicole

 

*Beitragsbild von Karen Arnold