…wie alles begann

„Komm herein. Schön, dass Du wieder da bist.“ begrüßte ich Corinna. Wir treffen uns jetzt schon seit knapp zwei Jahren jeden ersten Mittwochabend im Monat. Ich genieße den Austausch mit Corinna, der mir immer wieder neue Anregungen für meine Arbeit als Coach, Beraterin und Trainerin gibt und ihr wiederum auch neue Möglichkeiten im Umgang mit ihren Mitarbeitern und Kunden. Ich habe Corinna Blumenberg vor etwas über zwei Jahren auf der Wirtschaftsmesse in Hannover kennengelernt. Wir kamen zufällig (laut Duden. zuteil werden, aber auch „Im Zufall liegt eine Chance“; siehe „Du bist, was du sagst“ von Joachim Schaffer-Suchomel ) ins Gespräch. Sie erzählte mir von ihrem Unternehmen, einer erfolgreichen Naturkosmetikfirma, die sie vor 13 Jahren gegründet hatte. Basierend auf einem über Generationen überlieferten Rezept, das sie von ihrer Großmutter bekommen hat. Im Jahr 2001 entschloss sich Corinna Blumenberg, dieses Rezept zu verfeinern, es auch anderen Menschen zur Verfügung zu stellen und in der Apotheke ihrer Eltern zu verkaufen. Ich erzählte ihr damals wiederum, dass ich gerade eine Ausbildung zur Fachtrainerin für Business & Consulting und für psychologische Beratung bei Quid agis* mache und welche Themen und Ansätze diese Ausbildung beinhaltet.

Daraufhin gestand mir Corinna (damals noch Frau Blumenberg), dass sie gerade an einem beruflichen Scheideweg steht und ob ich ihr nicht helfen könnte, den richtigen Weg für sich zu finden. Ich erklärte ihr, dass ich derzeit noch in der Ausbildung bin und lediglich beratend und zu Studienzwecken tätig sein darf. Erst nach bestandener Prüfung zur Heilpraktikerin für Psychotherapie darf ich heilend tätig werden, denn „die Zulassung als Heilpraktiker für Psychotherapie ist für einen Coach oder Berater eine rechtliche Absicherung. In diesem Berufsfeld hat man oft mit Klienten zu tun, die über Ängste, Burnout oder depressive Erschöpfungen berichten. Dann ist die Grenze zur Psychotherapie fließend und der Coach bewegt sich in einer rechtlichen Grauzone. Denn nur Psychotherapeuten ist es dann erlaubt, weiter mit dem Klienten zu arbeiten, wenn bei diesem eine psychische Störung vorliegt“. (Erläuterung gemäß www.heilpraktiker-psychotherapie-pruefung.de/pruefungsvorbereitung/zulassung.html).

Insofern empfahl ich Corinna Blumenberg zunächst für eine umfassendere und weitreichende Behandlung eine/n solche/n HeilpraktikerIn für Psychotherapie oder eine/n Psychologin/Psychologen aufzusuchen. Dies lehnte sie jedoch ab, da sie der Auffassung war, dass jeder einmal anfangen muss und sie mir durchaus zutraue, mein erlerntes Wissen kompetent anzuwenden. Ich machte ihr daher den Vorschlag eine Beratung zu Studienzwecken mit ihr durchzuführen. Diese Idee fand Corinna Blumenberg gut. (Anmerkung: Im Januar 2014 habe ich die staatliche Erlaubnis zur berufsmäßigen Ausübung der Heilkunde ohne Bestallung auf dem Gebiet der Psychotherapie erhalten).

Corinna Blumenberg kam zum ersten Termin in mein Haus, in dem ich einen Beratungsraum eingerichtet habe, in dem zum einen ich mich wohl fühle und zum anderen auch Klienten die Möglichkeit finden in entspannter, aber auch inspirierender Atmosphäre sich mit sich selbst auseinander zu setzen und zu für sich guten Lösungen zu finden. Ich begrüßte Frau Blumenberg und wir wechselten einige Worte dazu, wie nah wir doch beieinander leben, wie wir jeweils wohnen. Damals hielt ich mich selbstverständlich an die Rolle des Beraters, also Beziehungsaufbau und Empathie, Gesprächsführung, Sitzungsstrukturierung, Klientenaktivierung. Ich blieb unter anderem professionell freundlich zugewandt und wurde nicht kumpelhaft privat. Dennoch stellte ich zufrieden fest, dass unser altes Haus mit seiner Geschichte erneut eine solide Basis bildet, um mit anderen Menschen ungezwungen ins Gespräch zu kommen und mir zugleich die Möglichkeit gibt, eine Beziehung zu Klienten aufbauen zu können, da die Menschen gleich zu Beginn unbefangen anfangen auch von sich zu reden.

Als wir uns setzten, gab ich ihr einen Fragebogen, um die Rahmendaten zu dokumentieren. Corinna Blumenberg füllte diesen aus und gab ihn mir zurück. Anschließend ließ ich sie noch einmal frei und ungezwungen ihre Situation schildern, ohne sie groß zu unterbrechen. So konnte ich mir gleich noch einige Notizen machen, mir ein erstes Gesamtbild verschaffen und nach Ansatzpunkten schauen, was ich für Corinna Blumenberg machen kann, um sie zu ihrem von ihr zu definierenden Ziel zu führen.

Corinna Blumenberg war 2012 37 Jahre alt und lebt mit ihrem Mann, Vincent Blumenberg, damals ebenfalls 37 Jahre alt, in Pattensen, wo auch ihre Eltern noch leben und ihre Apotheke betreiben. Ihre jüngere Schwester Carola lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in Hamburg. Der Kontakt zu ihrer Familie ist ihr wichtig und sie beschreibt das Verhältnis untereinander als sehr harmonisch. 2001 gründete Corinna Blumenberg, damals gerade 26 Jahre jung und kurz nach Beendigung ihres Pharmazie-Studiums, bereits ihr Unternehmen „Belinda“. Im Labor der Apotheke ihrer Eltern, verfeinerte sie zunächst das von ihrer Großmutter überlieferte Rezept für eine Gesichtscreme, nur mit Inhaltsstoffen aus der Natur und bot diese in der Apotheke an. Die Kunden waren begeistert.

Schon bald darauf weitete sie den Vertrieb aus und verkaufte die „Belinda-Gesichtscreme“ auch über Bio-Läden. Da das Labor für solche zu produzierenden Mengen nicht mehr ausreichte und sie auch schon weiter experimentierte an weiteren Produkten der „Belinda-Linie“, suchte Corinna Blumenberg kurz entschlossen nach einer passenden Produktionsstätte. Sie fand eine alte Bettfedernfabrik in Pattensen, die ihr sowohl von der Lage, in der Nähe von Hannover gelegen, als auch vom Äußeren, ein solides Backsteingebäude, sofort gefiel und natürlich auch für die notwendigen Produktionen geeignet war. Das Unternehmen wuchs rasant und inzwischen wird ein großes Spektrum von Naturkosmetik der Marke „Belinda“ deutschlandweit verkauft. Ein „Herzstück“, wie sie es nennt, ist dabei auch der Laden, direkt im Haupthaus, in dem die ganze Produktpalette angeboten wird sowie traditionell alle neuen Produkte als erstes verkauft werden. Grundsätzlich ist sie stolz auf das, was sie bisher erreicht hat und möchte das auch nicht verlieren oder aufs Spiel setzen.

Allerdings ist die Konkurrenz inzwischen weltweit am Markt tätig und so stellt sich die Frage nach erneuter Expansion, um mit den anderen Schritt zu halten. Sie überlegt ferner, eigene Flagstores in den Großstädten Deutschlands zu eröffnen. In diesem Zusammenhang hat sie auch noch weitere Ideen, was sie ihren Kunden anbieten möchte. Sie fühlt sich seit ca. einem Jahr immer wieder hin und her gerissen, was sie nun umsetzen soll und was nicht und ob überhaupt. Früher hat sie sich darüber keine Gedanken gemacht und mutig investiert und ihre Ideen und Visionen umgesetzt. Heute sieht sie sich in der Verantwortung für über 500 Mitarbeiter, denen sie auch weiterhin ein guter Arbeitgeber sein will. Dennoch wünscht sie sich ihre alte Unbefangenheit wieder. Es nervt sie, dass sie ihrer Meinung nach ungewohnt lang über zu treffende Entscheidungen nachdenkt und grübelt und sich unsicher, also nicht bei sich, fühlt.

Um es nun auf den Punkt zu bringen: Ihre Ziele waren, dass sie sich am 31.12.2012 über folgendes im Klaren sein will:

– Beruflich: In welche Richtung genau sie ihr Unternehmen weiterführen will.
– Persönlich: Sich wieder sicher in ihren Entscheidungen zu sein, diese treffen und sich wohl dabei fühlen.

Durch diverse Interventionen in der Beratung mit mir hat Corinna Blumenberg erkannt, was ihr in ihrem Leben gut tut. Sie hat festgestellt, dass ein derzeitiger Wachstumsstillstand (keine Expansion ins Ausland) nicht automatisch ein Rückschritt ist, sondern dass sie auch ohne aktuelle Expansion in weitere Länder, viele Ideen vor Ort umsetzen kann und dabei sich selbst nicht aus den Augen verliert. Sie hat für sich erkannt, dass ihr wichtig ist, in erster Linie für sich selbst zu sorgen und auch einmal Zeit für sich und ihre Familie zu haben, anstatt europaweit neue Standorte aufzubauen und gar nicht mehr im eigenen Haus zu nächtigen. Was nicht heißen soll, dass die „große Expansion“ für immer ad acta liegt. Dies kann Corinna Blumenberg zu einem späteren, vielleicht sogar besser passenden, Zeitpunkt immer noch in Angriff nehmen; vielleicht dann sogar mit einem Partner/einer Partnerin, um verschiedene Kompetenzen und Erfahrungen zu bündeln, um global auch wirklich konkurrenzfähig zu sein beziehungsweise zu bleiben. Frau Blumenberg strahlt. Offensichtlich hat sie für sich erkannt, dass sie gar keine endgültige Entscheidung treffen muss, sondern durchaus verschiedene Dinge zu unterschiedlichen Zeiten passieren dürfen.

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