Wir machten es uns auf der Couch gemütlich – einem Big-Ben-Sofa, in das mein Mann und ich uns vor einigen Jahren auf Anhieb bei einem Besuch in Hamburg verliebt hatten und für das wir bereitwillig unser unpassend gewordenes blaues Exemplar eintauschten. Im Ofen knisterte das Feuer, die Kerzen flackerten und auf dem Tischchen standen zwei Gläser Rotwein, die wir uns bei unseren monatlichen Treffen schon mal gönnten. „Weißt Du, was mich gerade beschäftigt?“, fragte Corinna. „ Bisher habe ich mir darüber gar keine Gedanken gemacht. Manches ergibt sich einfach mit der Zeit. Obwohl ich mir dann manchmal schon anschließend die Frage stelle, weshalb ich da nicht schon mal eher darauf gekommen bin?! So klein ist Belinda nun schon lange nicht mehr.“ „Na, erzähl, worum geht es?“, fragte ich sie interessiert. „Bei Belinda gibt es ja durchaus einen Fuhrpark. Für die Vertriebler ist das ganz klar. Die bekommen alle dengleichen in grün mit Logo usw. , schon wegen des Wiedererkennungswerts. Was aber mache ich mit der Führungsebene?“, überlegte Corinna. „Da kann ich Dir glatt ein persönliches Beispiel erzählen. Als ich damals noch fest angestellt war bei der Slapstick GmbH, kurz nachdem ich Kaufmännische Leiterin und Prokuristin wurde, habe ich mit meinem damaligen Chef über Gehaltsanpassungen gesprochen. Ich wollte gern einen Dienstwagen haben, da ich dringend ein neues Auto brauchte und das über die 1-%-Regelung für mich günstiger war, als von meinem Nettoeinkommen ein Auto inklusive dessen Unterhalt zu finanzieren. Mein Ex-Chef war total angetan. Er fand diese Variante irgendwie immer sehr gut, besser als mehr Gehalt in monetärer Form zu zahlen.

Der Dienstwagen

Außerdem hatte er über mein altes schwarzes Golf-Cabrio schon mehrfach hergezogen. Grundsätzlich war ich schon ziemlich stolz darauf. Cabrio-Fahren fand ich großartig. Außerdem war es das erste Auto, was ich mir ganz persönlich gekauft habe. Unglücklicherweise hatte der Vorbesitzer den etwas tiefer gelegt, so dass der Wagen bei jeder Unebenheit in der Straße ziemlich hart hoppelte, was nicht unbedingt komfortabel war und auch nicht meinem Sinn für entspanntes zügiges Fahren entsprach. Also nicht einfach mal kurz aufs Gaspedal und beschleunigen… Außerdem hätte ich auch ein neues Verdeck benötigt. An den Faltstellen war es brüchig geworden und bei Regen tröpfelte es stetig rein.“ Bei der Vorstellung musste ich lachen. „Ich hatte immer eine Plastiktüte und ein Handtuch auf dem Sitz liegen, damit ich keinen nassen Po aufgrund eines durchnässten Sitzes bekam. Kannst Du Theo fragen!“, erinnerte ich mich. „Und dann hat mein damaliger Chef mich gefragt, was ich denn für ein Auto haben will, woraufhin ich erwiderte: ,Wenn Du mich so fragst – am liebsten ein BMW-Cabrio…’ Das war zu der Zeit mein absolutes Traumauto. Er sagte großzügig: Dann lass Dir mal Angebote machen und nächste Woche sprechen wir darüber! Wow!, dachte ich. Das ist ja großartig – was habe ich für einen tollen großzügigen Chef. Ich war völlig aus dem Häuschen und freute mich riesig. Ich begann also eifrig zu gucken. Die Slapstick hat die Autos damals grundsätzlich geleast, so dass ich einerseits schaute, eine möglichst geringe Leasingrate zu bekommen, andererseits für mich persönlich den geldwerten Vorteil in meinem finanziellen Rahmen zu halten.

…ist schwarz

Zuerst habe ich mir den Wagen im Internet nach meinen Wünschen konfiguriert.“ „Lass mich raten.“, unterbrach mich Corinna lachend. „Die Außenfarbe war bestimmt schwarz!“ „Genau!“, erwiderte ich grinsend, denn wenn sich im Laufe der Zeit auch die Präferenzen und Ansprüche an Marke und Typ bei mir immer mal wieder geändert haben – mit zwei Kindern, Kinderwagen und einem gewissen Bedarf an Komfortabilität ist ein BMW-Cabrio doch nicht mehr so erstrebenswert – die Farbe steht für mich immer fest. Wie ein Freund von uns das früher mal gesagt hat: Ich weiß schon, welches Auto du fährst – ein schwarzes! Tja, stimmt zu 100 %. „Als ich damit fertig war, die Leasingrate und der Bruttolistenpreis meinen Vorstellungen entsprach, habe ich einen Termin beim BMW-Händler vor Ort gemacht und mir ein entsprechendes Angebot machen lassen, was noch unter der Rate aus dem Konfigurator war. Alles in allem, war ich glücklich und zufrieden und konnte es kaum abwarten, meinen Traumwagen endlich zu bestellen.

Aber dann…

In der Woche darauf, saß ich dann wieder mit meinem Chef zusammen. Wir besprachen zunächst alle anderen Themen. Er war ja meist nur alle ein bis zwei Wochen ein paar Stunden persönlich im Haus, so dass erst mal notwendige Unterschriften etc. zu klären waren. Zum Schluss druckste er herum; so von wegen mit dem Auto… Er hätte sich das noch einmal überlegt. Von seiner Seite aus, hätte er mit dem BMW-Cabrio überhaupt keinen Stress. Allerdings könnten wir das nicht gegenüber unseren Kunden machen. Das sähe ja so aus, als würden wir nicht wissen, wohin mit dem Geld. Ich sollte mir doch ein anderes Auto aussuchen, was weniger auffällig wäre.“ „Oh je – ich kann mir vorstellen, was da in dir vorging. Ich kann aber auch seine Bedenken nachvollziehen.“, bemerkte Corinna mitfühlend. „Keine Frage! Sicher waren seine Bedenken korrekt. Ich konnte das schon nachvollziehen. Auch wenn mein habgieriges Teufelchen innerlich aufmüpfig gemeckert hat, dass die Kunden mich doch nie mit dem Auto sehen, da ich in meiner Position damals keinen direkten Kontakt hatte.

Verlässlichkeit

Nein, was mich maßlos geärgert hat, war, dass ich erst einmal eine Zusage erhalten habe und dann wieder einen Rückzieher erleben musste. Hätte er von vornherein gesagt, einen Dienstwagen bekommst du, deinen Wunsch nehme ich erst einmal so zur Kenntnis, ich muss mir dazu aber noch einmal ein paar Gedanken machen. Kein Problem. Im Nachhinein denke ich, dabei ist ein Stück Vertrauen und auch Respekt verloren gegangen. Als Mitarbeiter erfahre ich da, auf den kann ich mich nicht verlassen. Was der Chef heute sagt, hat nächste Woche keinen Bestand mehr. Das schafft Unsicherheit anstatt Vertrauen und dadurch agiere ich als Mitarbeiter im schlechtesten Fall künftig wesentlich verhaltener. Überlege mal, du rufst bei einer Firma an, willst eine Auskunft, etwas kaufen, egal. Dein Gesprächspartner sagt dann irgendwann im Verlaufe des Gesprächs: ,Da muss ich erst einmal meinen Chef fragen!’ Was hinterlässt das für einen Eindruck? In etwa, was spreche ich dann überhaupt erst mit dem und nicht gleich mit dem Chef? Gibt es da nur inkompetente Mitarbeiter? Ich finde, dass hinterlässt keinen guten Eindruck.

Rahmenbedingungen

Was ich damit auch deutlich machen will: Manchmal kann eine spontane unbedachte Äußerung langfristig durchaus bleibende negative Auswirkungen auf das Unternehmen haben. Sicherlich nicht unbedingt, wenn ich das ein einziges Mal mache, ganz bestimmt jedoch, wenn es sich öfter wiederholt. Insofern kann ich wirklich nur empfehlen, bei Dingen, die das erste Mal auftreten, sich Bedenkzeit zu erbitten. Es wird gar nicht erwartet, dass es bereits für alles eine Regelung oder ähnliches gibt. Um zum Punkt Dienstwagen zurück zu kommen… Ich würde in diesem Fall die Eckdaten festlegen, die dir wichtig sind. Also Höhe der Leasingrate bzw. Kaufpreis, ob es eine bestimmte Marke sein soll oder weit gefasster z. B. eine deutsche Marke, ob es eine bestimmte Farbe haben soll oder auch nicht. Eventuell auch in Zusammenarbeit mit einem bestimmten Händler, wenn das Unternehmen da besondere Konditionen ausgehandelt hat. In dem vorgegebenen Rahmen kann der Mitarbeiter dann selbst seinen Wagen zusammenstellen. Ein gewisser Entscheidungsspielraum wirkt auf jeden Fall motivierender. Ergänzend kannst du gegebenenfalls für die unterschiedlichen Hierarchieebenen auch noch unterschiedlich staffeln in der Höhe der Preise. Dann hast du die Rahmenbedingungen festgelegt, die für alle gelten.“

Identität

„Gute Idee – so mache ich das.“, strahlte Corinna. „So habe ich für Belinda einen planbaren Umfang und kann meinen Mitarbeitern einen weiteren Anreiz bieten. Auch wenn wir Naturkosmetik vertreiben und umweltbewusst aufgestellt sind, ist ja für die meisten Leute auf dem Land – wir sind ja hier letzten Endes doch schon ländlich – erforderlich. Zu Fuß oder mit dem Fahrrad allein sind die Wege meist doch zu weit, wenn es zum Beispiel ums Einkaufen geht. Weißt ja, mir ist es schon wichtig, dass meine Mitarbeiter gern bei uns arbeiten und Belinda auch als guten Arbeitgeber wahrnehmen und entsprechend kommunizieren. Wenn sie sich mit der Marke identifizieren, werben sie so ja auch für unsere Produkte. In dieser Hinsicht sind die Mitarbeiter unsere ersten Kunden. Sie testen die Produkte und geben Anregungen für Veränderungen, Verbesserungen usw. Es kam auch schon mal von unserer Buchhalterin auf einem Workshop die Frage, weshalb wir eigentlich noch kein Make-up im Sortiment haben. Gute Frage! Inzwischen haben wir diese Produktlinie mit aufgenommen.“

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Sonnige Grüße

Deine Nicole

 

* Beitragsbild von Olaf Müller