Couchgespräche Kapitel 3

…anerkennen.

„Da wären wir bei einem weiteren wichtigen Thema auf dem Gebiet der Mitarbeiterführung und –motivation. Wir Menschen wollen informiert sein. Und wir wollen gehört werden. Wenn die Führungskraft oder der entsprechende Ansprechpartner nicht auf unsere Ideen oder Anregungen eingeht, nimmst Du ihn damit nicht wichtig bzw. weniger wichtig als einen anderen. Dadurch ist man als Führungskraft nicht neutral. Genau wie bei deiner Buchhalterin. Selbstverständlich ist sie eine Expertin auf ihrem Gebiet und hat erst einmal nichts zu tun mit der Entwicklung neuer Produkte. Andererseits ist sie auch Kundin, also eine Nutzerin Eurer Produkte und sie wünscht sich in Ergänzung zu ihrer Tagespflege eben besagtes Make-up. Ist jetzt etwas banal formuliert: Wenn in deiner Entwicklungsabteilung niemand Make-up nutzt, kommt er vielleicht gar nicht darauf, dieses zu entwickeln. Und was ist das wiederum für ein tolles Gefühl für die Frau, dass es jetzt auf ihre Anregung hin dieses Produkt gibt. Das schafft ein enormes Zugehörigkeitsgefühl, macht stolz. Ihre Meinung ist letzten Endes dir wichtig.“

…informieren.

„Da gebe ich Dir vollkommen recht. Frau Ludwig ist sehr stolz darauf und fühlt sich als Mensch mit ihren ganzen Facetten wahr genommen und nicht nur mit dem einen Fachgebiet. Ich lege ja auch immer sehr viel Wert darauf, dass meine Mitarbeiter informiert sind, über unsere Strategien und Pläne. Das habe ich damals im Coaching bei Dir in Hemmingen begeistert aufgenommen und umgesetzt. Ich habe den Eindruck, dass sich das durchaus positiv auf unser Betriebsklima ausgewirkt hat. Zumindest entnehme ich das diversen Gesprächen, die ich auch mal „im Vorbeigehen“ aufschnappe. Dadurch ergibt sich für die Mitarbeiter so etwas wie die Sinnhaftigkeit ihres Tuns. Wenn sie unsere Ziele kennen, haben Aufgaben einen tieferen Sinn, den sie verstehen können. Das ist für Führungskräfte und Mitarbeiter doch identisch.“, bestätigte Corinna. „Du hast doch im Seminar so eine schöne Geschichte dazu?“

„Stimmt!“, erwidere ich. „Das ist die Geschichte von den Steineklopfern:“

 

Motivation der Steineklopfer

Es war einmal ein Mann, dem die unterschiedlichen menschlichen Motivationen faszinierten. In diesem Zusammenhang befragte er viele Menschen.
Eines Tages spazierte er an einem Steinbruch vorbei, wo viele Arbeiter mit Steineklopfen beschäftigt waren. Da fasste er drei Arbeiter ins Auge, die mit unterschiedlichem Eifer bei der Arbeit waren.
„Eine gute Gelegenheit, um diese Arbeiter nach ihrer Motivation zu befragen“, schoss es ihm durch den Kopf.
So ging er zu jenem Arbeiter, der immer wieder Pausen einlegte. Ein paar Klopfer auf den Stein und schon machte er Pause und blickte mürrisch durch die Gegend. Bei der nächsten Pause packte der Mann die Gelegenheit beim Schopf:
„Entschuldigen Sie, eine Frage. Wie sieht es mit Ihrer Motivation für diese Arbeit aus?“
„Motivation? So eine dumme Frage! Es gibt keine schlimmere Arbeit als dieses Steineklopfen. Aber weil es hier kaum Arbeit gibt, habe ich diesen Job angenommen. Ich mache sicher nicht mehr als notwendig. Hauptsache eine Arbeit, man kann es sich halt nicht immer aussuchen. Also von Motivation kann keine Rede sein!“
„Naja, aber auf eine freundliche Frage hätte ich mir auch eine freundliche Antwort erwartet“, so der Mann.
„Wie soll man bei so einer Arbeit freundlich sein. Die nimmt mir die ganze Lebensfreude und dann kommen Sie mit solch einer dummen Frage. Motivation – dass ich nicht lache!“
Der Mann ging eilig weiter zum nächsten Arbeiter. Dieser machte einen fleißigen Eindruck. Nun wollte es der Mann genauer wissen:
„Ihnen scheint das Steineklopfen Spaß zu machen, oder?“
„Ja, heute schon! Ein herrlicher Tag. Ich bin verliebt, herrliches Wetter heute, mein Chef hat mich morgens gelobt, und das Steinmaterial hier in diesem Bereich des Steinbruchs lässt sich gut bearbeiten. Und so geht mir die Arbeit leicht von der Hand und macht sogar Spaß!“
„Kann ich daraus auch schließen, dass Ihre Motivation nicht immer so hoch ist wie heute?“
Der Arbeiter: „Natürlich nicht! Das hängt von den Umständen ab. Nicht immer ist der Chef so gut aufgelegt. Und Steineklopfen bei Regen und kaltem Wetter macht alles andere als Spaß. Bei hartem Steinmaterial brauche ich häufig doppelt so lange. Was glauben Sie, wie es da mit meiner Motivation ausschaut?“
„Verstehe ich das richtig, dass Ihre Motivation vor allem von den Umständen und vom Umfeld abhängt?“
„Ja, genau“, antwortete der Steineklopfer und machte sich an den nächsten Stein.
Der Mann ging zum nächsten Arbeiter, der voller Eifer auf einen Granitbrocken hämmerte. Er sah ihm eine Weile beim Steineklopfen zu und war fasziniert, wie der Arbeiter ohne Unterbrechung auf den harten Stein klopfte. Ihm schien die schwere Arbeit richtig Spaß zu machen. Erst als der Mann den Arbeiter auf die Schulter klopfte, bemerkte ihn dieser.
„Macht Ihnen der harte Stein nicht zu schaffen?“, wollte der Mann wissen.
„Nein, überhaupt kein Problem. Mir macht es sogar richtig Spaß, den Stein zu bearbeiten!“
„Und wenn das Wetter mal nicht so schön ist wie heute, wenn es kalt und regnerisch ist, und wenn der Chef schlechte Laune hat, dann ist Ihre Motivation sicher nicht so groß, stimmt’s?“
„Die miese Laune von meinem Chef prallt an mir ab, und am Wetter kann ich auch nicht drehen. Was sollten diese Umstände an meiner Motivation ändern?“, antwortete der Arbeiter und bearbeitete schon wieder einen Stein.
„Aber ist das Steineklopfen nicht hart und eintönig?“
„Was heißt hier Steineklopfen? Sehen Sie nicht, was ich aus diesen Steinen mache? Ich arbeite am Gewölbe des fantastischen Doms! Gibt es ein schöneres und ehrenvolleres Ziel als ein solches großartiges Gebäude aufzubauen?“
Nach Roberto Assagioli (ital. Arzt, 1888 – 1974), leicht abgeändert

…Ziele geben.

„Kann man im Grunde doch leicht nachvollziehen, oder? Überlege mal selbst: Hast Du etwas gern gemacht, was Deine Eltern von Dir verlangt haben und wenn Du nicht wusstest, weshalb Du das eigentlich machen sollst?“, fragte ich Corinna. „Nö!“ griente sie. „Als ich ein Kind war, fand ich Spazierengehen total langweilig. Frische Luft und Bewegung fand ich damals absolut unspannend. Meine Eltern liebten es… Jeden Sonntag der obligatorische Spaziergang. Meine Schwester und ich haben natürlich immer genölt. Das wurde meinen Eltern glücklicherweise nach kurzer Zeit zu bunt. Aber anstatt zu sagen, wir wollen das so, basta und Ihr kommt mit, haben sie sich immer wieder etwas ausgedacht. Schnitzeljagd, den-dicksten-Baumstamm-finden, Eicheln-sammeln, Picknick oder auch mal am Ende Eisessen-gehen. Was meinst Du wie viel Spaß wir hatten. Klar haben sich Mama und Papa da schon immer Mühe gemacht – wurden dafür allerdings auch mit einem entspannten und erlebnisreichen Spaziergang mit zwei glücklichen kleinen Töchtern belohnt, bei dem wir alle viel Spaß hatten. Und irgendwann haben Carola und ich uns dann sogar unsere eigenen Spielchen ausgedacht.“

 

…motivieren.

„Toll! Das ist natürlich optimal. Und siehst Du, oft lässt sich in Sachen Motivation gut der Bogen schlagen, wenn wir selbst in uns hineinhören und überlegen, was uns motiviert. Wir sind schließlich alles Menschen – egal ob Kinder, Mitarbeiter, Kollegen, Partner, Vorgesetzte, etc. Die größte Motivation habe ich, wenn ich weiß und verstehe, wofür ich etwas tue, bzw. einen geschätzten Beitrag zu einer Aufgabe leisten kann. Und es wäre doch schade, wenn wir diese Möglichkeit nicht nutzen würden in Bezug auf die Mitarbeitermotivation. Die wollen grundsätzlich informiert sein. Ansonsten lieferst Du ja sogar Anlass zu Gerüchten und Mutmaßungen. Und die kosten sogar zusätzlich Zeit und Dein Geld. Das heißt ja nicht, dass ich Ihnen jede Zahl oder jedes Detail preisgebe. Es soll mich auch nicht im unternehmerischen Handeln einschränken. Nur eine kurze Erklärung reicht meist schon. Hauptsache der Mensch weiß, worum es geht. Einfaches Beispiel: Der Vorgesetzte sagt zum Herrn Meyer: ‚Bis nächsten Donnerstag ist die Präsentation fertig!’ Klar, hat Herr Meyer einen Vertrag und soll seine Arbeitsleistung auch erbringen. Aber wenn der Vorgesetzte sagt: ‚Herr Meyer, machen Sie bitte die Präsentation bis Donnerstag fertig. Dienstag ist der Termin mit dem potentiellen Neukunden, bei dem es um einen wichtigen großen Auftrag für unser Unternehmen geht und uns langfristig gut auslasten wird. Und ich möchte genug Zeit haben, die Präsentation mit Ihnen gemeinsam durchzuarbeiten und richtig rund zu machen, damit wir optimal vorbereitet sind. Vielen Dank schon einmal.’ Was meinst Du, wann Herr Meyer sich richtig ins Zeug legt?“ „Schon klar!“, antwortet Corinna. „Und es dauert noch nicht mal eine Minute länger… Eigentlich ganz einfach.“

Am 02.12.2015 erscheint Kapitel 4 der Couchgespräche.

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Sonnige Grüße

Deine Nicole

 

* Beitragsbild von Olaf Müller

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