Regeln

Draußen hat es nun geschneit und ist winterlich kalt, nachdem wir Weihnachten eher frühlingshafte Temperaturen hatten. Nachmittags war ich mit meinen Jungs noch Schlittschuhlaufen im Winterzoo. Und jetzt machen Corinna und ich es uns heute mal wieder auf der Couch gemütlich. Im Ofen knistert heimelig das Feuer.

Chaos

„Weißt Du, was ich gerade mal wieder gesehen habe? Unser „Regelwerk“!“, beantwortete Corinna ihre Frage gleich selbst. „Das ist schon eine hilfreiche Angelegenheit. Hätte ich damals, als wir die Regeln aufgestellt haben, gar nicht so erwartet.“ „Kann ich mir denken.“, erwiderte ich. „Regeln hören sich ja erst einmal etwas verstaubt an. Oft verbinden wir das mit Strenge, mit Dingen, die wir nicht dürfen. Mit Dingen, die uns verboten sind, uns begrenzen und einengen. Das ist oft eher negativ besetzt. Nur andersherum gedacht, was passiert denn, wenn wir keine Regeln haben? Neulich ist mir das mal wieder so richtig klar geworden. Abends lese ich meinen Jungs immer noch etwas vor. In diesem Falle war es das Kinderbuch „Upps regelt das!“ von Ursel Scheffler und Jutta Timm. Da haben die Bewohner vom Planeten Maxnix – da kommt das süße Struwwelmonster nämlich her – vor 100 Jahren alle Regeln auf den Müll geworfen. Und seitdem funktioniert gar nix mehr. Es herrscht das totale Chaos, weil jeder nur das macht, wozu er gerade Lust hat. Stell Dir mal vor: keiner hatte mehr Lust zu arbeiten und so wurde auch nichts mehr hergestellt. So verlockend es manchmal erscheinen mag, Dinge, die uns zuweilen unangenehm sind, nicht mehr tun zu müssen…Dem Upps gefällt das zumindest überhaupt nicht mehr. Auf einmal ist das Leben nämlich eher äußerst unangenehm geworden. Also fliegt er zu seinem Freund Lucas auf die Erde, um Regeln für Maxnix in seinen Rucksack zu packen. Die Beiden überlegen allerdings schon, welche Regeln Upps mitnehmen sollte. Zitat: „Regeln muss man sich genau überlegen. Es gibt nämlich doofe und unnötige Regeln. Und unbequeme. Aber auch viele nützliche und praktische Regeln. Über Regeln muss man nachdenken! Das Upps will kluge Regeln und schnappt sich erst einmal folgende:

 

Kluge Regeln

1. Einer hilft dem anderen.
2. Zuhören und andere ausreden lassen.
3. Jeder sagt, wohin er geht.
4. Jeder räumt auf.
5. Es wird nicht geschummelt oder gelogen.
6. Nichts wegnehmen, was einem nicht gehört.
7. Beim Essen nicht herumzappeln.
8. Sagen, wenn man etwas kaputt gemacht hat.
9. Keine schlimmen Wörter sagen.
10. Rücksicht aufeinander nehmen und sich nach einem Streit wieder versöhnen.
11. Man darf keine Sachen kaputt machen, weil dann jemand traurig ist.
12. Man darf keine Wände beschmieren, weil das andere ärgert.
13. Man darf nicht mit Sachen werfen oder andere verprügeln. Das ist gemein.
14. Man darf beim Sport und beim Spielen nicht schummeln, das ist unfair.

Die sind für ihn ganz wichtig, weil er es als äußerst unangenehm für sich selbst empfindet, wenn die anderen Maxnix-Bewohner sich ihm gegenüber so verhalten. Insofern sind diese Regeln für ihn ganz wichtig. Sie passen für ihn.

 

Selbstbestimmte Regeln

Deshalb finde ich es so wichtig, dass Regeln, die im Unternehmen aufgestellt werden, auch kluge Regeln sind. Also Regeln, die den Menschen im Unternehmen wichtig im Umgang miteinander sind, damit sie sich wohl fühlen. Und damit sie wissen, woran sie sind. Das gilt für den Chef genauso wie für jeden anderen Mitarbeiter. Deshalb ist es also auch wichtig, dass die Regeln von allen gemeinsam aufgestellt werden. Die Akzeptanz ist dadurch viel größer. Dann kann keiner so schnell sagen, ich habe damit nix zu tun bzw. ich habe diese Regeln nicht gemacht. Es entfällt sozusagen, die Diskussion über Sinn oder Unsinn. Das passiert ja durchaus, wenn Regeln „von oben“ aufgestellt werden. Das schränkt uns Menschen gefühlt ein und fördert ganz bestimmt nicht die Motivation. Ich unterstelle mal, dass etwas, was ich selbst mit entscheiden durfte auf jeden Fall das Gefühl von Selbstbestimmung fördert. Den Führungskräften spart es in Konsequenz auch müßige Konflikte. Vielleicht sollte man von Zeit zu Zeit immer mal wieder drüber gucken, ob die Regeln immer noch passen oder ob sie geändert oder ergänzt werden sollten.“ „Eine gute Idee.“, meinte Corinna. „So können auch neue Mitarbeiter mit ins Boot geholt werden. Was ich mich nur gefragt habe… Bei uns ging das ja noch bei der Anzahl der Mitarbeiter. Aber wie willst Du die Übung machen, wenn es z. B. 1.000 Mitarbeiter sind?“ „Die Gruppen dürfen natürlich nicht zu groß sein. Insofern können das dann nicht alle gemeinsam ausarbeiten. Eine Möglichkeit wäre, dies in den einzelnen Teams oder Abteilungen anzufangen, dann evtl. auch die Team-/Abteilungsleiter gemeinsam und alles immer weiter zusammenzuführen. Also zu schauen, wo gibt es Übereinstimmungen, was ist anders. Als Abschluss sollte dann ein „Ober-Regelwerk“ entstehen, was dann schon den ganzen Mitarbeitern vorgestellt werden sollte. Wie dies im Einzelnen passiert, ist unternehmensabhängig. Wichtig ist nur, dass jeder unterschreibt und sich damit identifizieren kann. Das ist dann schon ein gewisses Projekt.“ „Wohl wahr! Dennoch lohnend… Kann ich auch wieder nur unterschreiben.“, lachte Corinna.

„Zum Abschluss will ich Dir nur kurz noch meine Lieblingsregel verraten, Eine, die ich schon über meinen Vater von meinem Urgroßvater zu hören bekommen habe, die witzigerweise auch das Upps lernt: „Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem andern zu!“ Die erzähle ich auch meinen beiden Jungs immer wieder… Fruchtet jedoch noch nicht immer. Wenn sich alle daran halten würden, wäre ein Miteinander auf jeden Fall harmonischer.“

 

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Sonnige Grüße

Deine Nicole

 

* Beitragsbild von Olaf Müller