Couchgespräche – Kapitel 6

Stylish

Draußen war es wieder frühlingshaft warm geworden. Und das im Februar. Dazu schüttete es wie aus Eimern und es blies ein kräftiger Wind. Nicht gerade mein Lieblingswetter. Um so mehr freute ich mich darauf, heute Abend wieder mit Corinna gemütlich auf der Couch zu hocken und zu schnattern. Denn so hörte sich das wohl an, wenn wir beide ohne Punkt und Komma erzählen, wie uns der Schnabel gewachsen ist. 😉

Ich machte mich also auf den Weg in Corinnas altes urgemütliches Fachwerkhaus. Das hatte sie mit Vincent vor 7 Jahren total saniert und wunderschön hergerichtet. Ich liebe diese alten Gemäuer. Die haben für mich so ein inspirierendes lebendiges Flair. Sie haben ihre ganz eigene Geschichte. Was sie uns wohl alles erzählen würden, wenn sie sprechen könnten? Von den Menschen, die in ihnen gelebt haben. Was diese an Freud und Leid erlebt haben. Von den verschiedenen Epochen und und und…

Was isst Du so?

„Komm schnell rein!“, begrüßte mich Corinna an der imposanten Tür, nachdem ich durch den Regen über den Hof gehastet war. Ich hängte Mantel und Schirm in der Diele an die Garderobe und ging weiter mit ihr in die einladende offene Küche. „Ich habe heute mal ein neues Rezept ausprobiert – Kichererbsen-Curry. Ist lecker geworden, finde ich. Allerdings habe ich Fladenbrot und Zaziki nur noch rasch besorgt. Theo hätte das ja bestimmt selbst gebacken.“ Theo war mein Mann und seit einigen Jahren leidenschaftlicher Hobbybäcker. Angefangen über Muffins, hin zu Kuchen, zu Brötchen und jetzt sogar zu Sauerteigbrot. Unsere Jungs aßen kaum noch anderes. „Du, ist völlig okay. Fladenbrot hole ich auch immer noch gern im türkischen Laden.“ Corinna holte noch einen leckeren Rotwein aus dem Weinkeller. Übrigens ein toller Gewölberaum mit Natursteinen, seitlich von der Diele gelegen. Wie gemacht für einen gut sortierten Weinkeller. So einen hätte ich auch gern. Da müssen wir uns bei uns im Haus noch einmal etwas einfallen lassen. Wir setzten uns an den rustikalen Eichentisch und aßen. „Lecker! Ich mag ja immer mal eine neue Geschmacksrichtung. Darfst du wieder machen.“ „Danke. Ich bin selbst ganz begeistert…“

„Hast Du eigentlich eine neue Jacke? Kenne ich zumindest noch nicht.“, fragte mich da Corinna, als wir uns auf der Couch niederließen. „Steht dir.“ „Danke! Und ja – die Jacke habe ich neu aus meinem Lieblingsstore Elena. Die hat ganz laut, nimm mich mit, ich will zu dir, gerufen.“ „Verstehe ich, das bist eben du!“

Was trägt die Führungsfrau?

„Apropos – ich habe mich gerade neulich mit Diana über Style und Klamotten im Business unterhalten. Diana hat im Gewerbekunden-Bereich in einer Bank gearbeitet. Da gilt natürlich schon ein strenger Dresscode. Das weiß „man“ ja. Trotzdem hat sie es gehasst, dass sie immer im Anzug herumlaufen sollte. Und jetzt hat sie sich gefragt, ob man als Führungskraft wohl auch unbedingt eine „Uniform“ tragen müsste, um kompetent zu wirken. Diana hat sich manchmal besonders overdressed gefühlt, wenn z. B. ein handwerklicher Gründer vor ihr saß in Jeans und Hemd. Schließlich beurteilte sie die Kompetenz desjenigen auch nicht nach der Kleidung. Und vielleicht hätte er als KUNDE sich auch wohler gefühlt, wenn ihre Kleidung nicht gar so streng wäre. Welche Erfahrungen hast Du denn da so, wenn Du unterwegs bist? Bei Belinda handhabt ihr so eine Art der Uniformierung ja nicht.“

 

Der strenge Business Dresscode

„Na wichtig ist es schon, was wir tragen, finde ich. Letzten Endes zählt zuallererst eben doch der erste Eindruck. Die Frage ist nur, ob es denn wirklich ein Anzug oder Kostüm sein muss. Wenn Du Business Dresscode für Führungspositionen mal eingibst in einer Suchmaschine, findest Du schon, dass mit steigender Position der Anzug bzw. das Kostüm zwingend erforderlich ist für eine Managerin. Guck mal hier:

„Es gibt klare Richtlinien für die konventionelle Business-Kleidung, die vor allem Menschen in Führungspositionen kennen sollten, um sich daran orientieren zu können. Jeder der Karriere machen oder offizielle Veranstaltungen besuchen will, sollte diese Regeln kennen. Der richtige Dresscode ist die Basis auf dem Weg zum Erfolg.

1. Das Erscheinungsbild der Frau in Führungsposition

  • Sie trägt ein Kleid, ein Kostüm oder Hosenanzug von qualitativ hochwertigen Materialien, welche nicht knittern.

  • Sommerkleidung und Winterkleidung werden getrennt.

  • Sie trägt immer Strümpfe.

  • Ihre Schuhe sind geschlossen. Wenn es sehr heiß ist, können die Fersen frei sein.

  • Ihre Uhr, Taschen, Tücher, Gürtel sind qualitativ hochwertig.

  • Der Schmuck muss nicht echt, aber passend und ausgewählt sein.

  • Die Brille unterstreicht die Gesichtszüge.

  • Sie trägt einen BH bei entsprechender Oberweite.

Natürlich sollte ihr gesamtes Erscheinungsbild gepflegt sein, d.h. auch die Nägel, Füße und Haare. Utensilien wie Schreibgeräte oder Terminkalender sollen hochwertig sein.“
(Quelle: https://www.philognosie.net/job-karriere/dresscode-business-kleidung-image-richtiges-outfit?page=2)

Es kommt natürlich auch auf das Unternehmen und die Branche an. In den letzten Jahren hat sich das schon gelockert. Dennoch gilt wohl: je wichtiger, desto „steifer“. Insofern finde ich es gut, wenn sich Unternehmen Gedanken machen, was sie nach außen senden wollen und dementsprechend auch einen Dresscode rausgeben. So habe ich das bei uns eingeführt. Dazu habe ich mit unseren Kunden gesprochen, mit den Mitarbeitern. Ich will schon, dass wir authentisch wirken. Und zu Naturkosmetik finde ich eine ganz klassische Business-Kleidung einfach nicht passend.“, berichtete Corinna.

Und wie geht es Dir damit?

„Schon spannend, dass uns Frauen das Thema Styling immer wieder beschäftigt. Ich für meinen Teil habe immer in Unternehmen gearbeitet, wo es keine strengen Vorschriften bezüglich Kleidung gab. Allerdings gab es die damals in dem Mutterkonzern schon. Daran kann ich mich noch gut erinnern. Dort galt auch immer Kostüm und Anzug und tatsächlich für die Damen immer Strümpfe, egal wie heiß es im Sommer auch gewesen sein mag. Bei der Vorstellung bekomme ich Gänsehaut. Ich mag Strümpfe sowieso schon ungern anhaben, da fühle ich mich überhaupt nicht wohl drin. Und wenn ich mich nicht wohl fühle, lenkt mich das im schlimmsten Fall sogar von meiner Arbeit ab. Allerdings merke ich auch gerade, dass da in mir ein ganz rebellisches „Kind“ auftaucht, was sich dagegen wehrt, die weibliche Führungskraft zu uniformieren und äußerlich gleich zu machen und im Grunde wieder den eher männlichen Gepflogenheiten anzupassen. Ich sage nicht, dass ein Anzug schlecht ist oder ein Kleid oder Kostüm. Es bietet sicherlich auch einen gewissen Schutz und unterstützt die seriöse Ausstrahlung. Und vielleicht ist es schon eine Empfehlung, sich zunächst daran zu halten, wenn „Frau“ Karriere machen will. Auf jeden Fall finde ich persönlich es wichtig, sich einen eigenen Stil zu kreieren. Schließlich will ich doch wieder erkennbar sein und mich nicht irgendwo einreihen. Ich habe z. B. auch gelesen, frau sollte Haare geschlossen tragen oder noch besser einen Bob. Von dieser totalen Vereinheitlichung halte ich gar nix. Ich bekomme dabei so eine Horrorvorstellung wie aus einem Sciencefiction-Film, wo einheitliche Arbeitsdrohnen produziert werden. Grauenhaft!“

„Da kann ich Dir nur zustimmen!“, erwiderte Corinna. „Es ist sicherlich empfehlenswert sich darüber Gedanken zu machen und ggf. lieber eine andere Branche zu wählen. Ein Personal Branding kann durchaus hilfreich sein. Kleidung ist letzten Endes ein Statement. Wichtig finde ich – da stimme ich Dir auf jeden Fall auch zu – dass ich mich wohl fühlen muss, nur dann habe ich auch eine persönliche und hoffentlich authentische Ausstrahlung.“

„Genau! Als größtes Kompliment empfinde ich immer, wie Du vorhin auch, wenn jemand zu mir sagt: ‚Das bist Du!’ Und das allergrößte, was ich mal von einer meiner Ausbilderinnen gehört habe war: ‚Ich kenne niemanden, der sich so authentisch kleidet wie Du!’ Das freut mich riesig.“

„Wie machst Du das eigentlich?“

 

Mein ganz persönlicher Stil

„Bei mir hat sich das über die Jahre entwickelt. Grundsätzlich ziehe ich das an, was mir Spaß macht, worin ich mich wohl fühle. Inzwischen mag ich auch gesehen werden. Das war früher nicht unbedingt der Fall und geht einher mit der Entwicklung meiner eigenen Persönlichkeit. Ich gucke in den Spiegel und muss mir selber gefallen. So fühle ich mich dann und so strahle ich das dann wohl auch aus. Es ist mir dann grundsätzlich egal, wie andere das finden. Ich spiele damit. Was nicht heißt, dass ich nicht auch mal einen Anzug anziehen mag, gerade wenn es auch darum geht, wo ich hingehe oder wen ich dort antreffe. Das hat ja auch etwas mit Respekt und Wertschätzung zu tun. Aber dann darf es dazu eine buntere Bluse sein oder ein buntes Shirt. Meist wähle ich dazu auch ein paar hübsche Armstutzen oder ähnliches – etwas was auf jeden Fall ICH bin.“

„So ähnlich mache ich das inzwischen ebenfalls. Was mir totalen Spaß gemacht hat, war die Imageberatung, die ich vor Jahren gemacht habe. Von so einem Profi gibt es einfach tolle Impulse. Außerdem tut man sich damit auch selbst etwas Gutes. Man steht einen Tag im Fokus und kann sich ausprobieren und vielleicht sogar ganz neu kennen lernen.“

„Fazit: Klamotten sollen Spaß machen, unsere Persönlichkeit unterstreichen und schon den Anlässen entsprechend variiert bzw. angepasst werden!“, schloss ich unser spannendes Thema ab.

 

Mich interssiert brennend, wie es bei Dir im Unternehmen in Sachen Dresscode gehandhabt wird.
Gibt es überhaupt einen?
Wie geht es Dir damit?

 

 

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Sonnige Grüße

Deine Nicole

 

 

* Beitragsbild von Olaf Müller

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