Da geht mir doch echt die Hutschnur hoch!

In letzter Zeit habe ich immer öfter Beispiele von Vorgesetzten gehört, die mich wirklich erschrecken. Da fragt man sich doch wirklich, wer aus welchen Gründen eine so genannte Führungsposition erhalten hat?!

Sind es die, die im Grunde über Leichen gehen?

Sind es die, die das nur zu ihrem eigenen Vorteil tun?

Sind es die, denen alles andere egal ist? Denen ethische Grundsätze völlig egal sind?

Gerade neulich erzählte mir eine Klientin eine Anekdote aus ihrer Berufspraxis. Einige Unternehmen reden über oder rühmen sich mit flexiblen Arbeitszeitmodellen, mit Arbeitnehmerfreundlichkeit, was auch immer alles. Leider klaffen Philosophie und Realität dabei manchmal erstaunlich auseinander.

Bei meiner Klientin passierte also folgendes: In ihrer Firma arbeiten einige Mitarbeiter zeitweise im Home Office. Als sie nun selber danach fragte, auch mal an einem (!) Tag im Home-Office arbeiten zu dürfen, wurde dies rigoros verneint. Auf vorsichtige Nachfrage, weshalb denn Frau A, Herr B und Frau C an manchen Tagen im Home Office arbeiten würden, teilte ihre Vorgesetzte ihr mit, dass dies inzwischen nicht mehr möglich ist. Den Mitarbeitern, denen diese Möglichkeit genehmigt wurde und die dies noch nutzen dürfen, hätten noch alte Rechte, die man ihnen nicht nehmen könnte. Jetzt funktioniert das nicht mehr. Die Möglichkeit im Home Office zu arbeiten bestehe nicht mehr.

Das ist grundsätzlich schon schlimm genug. Doch es kommt noch besser… In der darauf folgenden Woche teilte eben jene Vorgesetzte ihren Mitarbeitern mit, dass sie morgen nicht im Hause sei. Sie bekomme Möbel geliefert und müsste von zu Hause aus arbeiten.

Da fehlen mir doch glatt die Worte! Bekomme ich oder werde ich Vorgesetzte, damit ich Privilegien in Anspruch nehmen kann, die ich den anderen Mitarbeitern nicht zugestehe? Herzlichen Glückwunsch! Ein Superbeispiel dafür: Wie kann ich Mitarbeiter superschnell demotivieren?

Ja, wenn ich darüber nachdenke, was zu den positiven und zwingend notwendigen Eigenschaften einer Führungskraft gehört, ist eine davon ganz wichtig: Neutralität!

Was bedeutet das? Ich muss meine Mitarbeiter alle gleich behandeln (Beispiel: Ich duze alle oder ich Sieze alle, aber nicht einen Duzen und die anderen Siezen) und Möglichkeiten, die ich zur Verfügung stelle, auch von allen nutzen lassen (selbstverständlich im Rahmen der Gegebenheiten! – ich weiß auch, dass z. B. ein Maschinenführer im Home Office wenig hilfreich ist!). Trotzdem: Nicht den einen so und den anderen so. Damit demotiviere ich Mitarbeiter in einem Bruchteil von einer Sekunde. Überlege mal selbst. Du darfst etwas nicht, was Dein Kollege darf. Also ich fühle mich sofort schlecht und ungerecht behandelt. Das kann ja wohl kaum das Ziel sein, oder?

Macht es nicht viel mehr Sinn, dass Deine Mitarbeiter gern gute Leistung erbringen? Keine Frage; jeder will Geld verdienen, jeder ist zur Erbringung seiner Arbeitsleistung vertraglich verpflichtet. Klar! Auch ich verdiene total gerne Geld und möchte Gewinn machen! Die Frage ist doch nur: Wie erreiche ich das denn im optimalen Fall? Ganz bestimmt nicht, wenn ich so mit meinen Mitarbeitern umspringe.

Es kann ja wohl keiner ernsthaft glauben, dass jemand gern zur Arbeit kommt, wenn er vermeintlich weniger wert ist als der andere, bzw. Kollegen Privilegien genießen, die ihm verwehrt bleiben?!

Was ist denn wichtig für Dich, damit Du gern gute Leistung erbringst? Möchtest Du gern Anerkennung haben für Deine Arbeit? Möchtest Du, dass Deine Arbeit geschätzt wird? Ich schon! Sicherlich sind Mitarbeiter, deren Arbeit anerkannt wird, bereit, auch mal etwas mehr zu geben.

Wenn ich als Mensch nicht geachtet werde, braucht man sich nicht wundern, wenn die Mitarbeiter nur noch – wie sagt man so schön – 9 to 5 zwar ihre Arbeit nach Vorschrift machen und danach auch keinen Schlag mehr.

Wie wichtig das ist, höre ich immer wieder. Wenn ich meine KlientInnen frage, was Ihnen überhaupt wichtig ist, in Bezug auf ihren Beruf und auf ihre Karriere, lautet die Antwort in den überwiegende Fällen: Kollegialität, Betriebsklima, Anerkennung, Gerechtigkeit. Sicherlich ist auch finanzielle/r Sicherheit/Erfolg ein wichtiges Kriterium. Sollen sie priorisieren, fällt die erste Wahl in den meisten Fällen auf gutes Betriebsklima und erst später wird finanzieller Erfolg genannt. Das bedeutet unter Umständen, dass sie lieber auf einen Teil des Geldes verzichten würden, wenn sie die Aussicht auf ein Unternehmen haben, in dem sie sich wohl fühlen und anerkannt werden, als in einem Unternehmen zu arbeiten, wo nur die Ellenbogen ausgefahren werden.

Also im Grunde ist es doch ganz leicht, seine Mitarbeiter zu motivieren. Schwer ist es erst dann, wenn es vorher geschafft wurde, sie durch solche Geschichten zu demotivieren. Wichtig ist es daher, mir vorher Gedanken darüber zu machen, bevor ich etwas sage oder tue.

Hast Du ähnlich „schlechte“ Erfahrungen gemacht wie meine Klientin? Ich freue mich über weitere Beispiele im Kommentar. Allerdings freue ich mich noch mehr über positive Erfahrungen! Die gehören auf jeden Fall mitgeteilt, damit alle sehen können, dass es auch anders geht und wirklich funktioniert!

 

 

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Sonnige Grüße

Deine Nicole

Führungsfee

 

*Beitragsbild von Logga Wiggler (Quelle: Pixabay)

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