Du hast eine hervorragende Idee zur Verbesserung im Arbeitsablauf?

Du möchtest Deinen Mitarbeitern neue Arbeitsmodelle bieten?

Du möchtest ganz einfach etwas Neues ausprobieren?

Großartig!

Du bist total begeistert von Deiner Idee, hast auch schon mit anderen Menschen in Deinem Umfeld darüber gesprochen und nur positives Feedback bekommen?

Du bist engagiert und denkst dabei an die Vorteile für das Unternehmen?

Noch besser!

Du bist total motiviert, bestens vorbereitet und trägst Deine Idee bei einem Gesprächstermin Deinem eigenen Chef vor?

Kawumm! Da ist er wieder: der Killersatz, der all Deine Bemühungen sofort im Keim erstickt und Deine Motivation ins Minus treibt!

Dann will das jeder!

Hast Du das so oder so ähnlich auch schon einmal zu hören bekommen? Grausam, oder?

Ehrlich gesagt – ich kann das überhaupt nicht nachvollziehen.

„Meistens sind nur unsere Annahmen über die Realität unflexibel, nicht aber die Realität selbst.“ (Rosabeth Moss Kanter)

Wo stünde die Welt heute, wenn niemand jemals etwas Neues ausprobiert hätte?

Lass mich mal überlegen…

Genau: einen Computer, vor dem Du gerade sitzt, gäbe es nicht.

Und das obwohl Thomas Watson (IBM-Vorsitzender und Gründer des Weltkonzerns IBM) den Satz: „Ich denke, dass es einen Weltmarkt für vielleicht fünf Computer gibt.“ 1943 gesagt haben soll, ein paar Jahrzehnte, bevor der IBM-PC in millionenfacher Ausführung den Weltmarkt überschwemmte.

Wir hätten keine Telefone, geschweige denn SmartPhones.

„Eine erstaunliche Erfindung. Aber wer sollte sie jemals benutzen wollen.“ US-Präsident Rutherford B. Hayes (1822–1893), Kommentar zum ersten Telefon, 1877

Auch einen Fernseher hätten wir nicht.

„Der Fernseher wird sich auf dem Markt nicht durchsetzen. Die Menschen werden sehr bald müde sein, jeden Abend auf eine Sperrholzkiste zu starren.“
Darryl F. Zanuck, Chef der Filmgesellschaft 20th Century-Fox, 1946

Und nicht zu vergessen: Autos gäbe es auch nicht!

„Die weltweite Nachfrage nach Kraftfahrzeugen wird eine Million nicht überschreiten – allein schon aus Mangel an verfügbaren Chauffeuren.“
Gottlieb Daimler, Erfinder, 1901

Nun gut, das sind nur einige Beispiele, die Dir in solchen Situationen vielleicht erst einmal nicht weiterhelfen. Allerdings könnte eine entsprechende Vorbereitung hilfreich sein.

Wie ich in meinem Beitrag Beruf, Kind, und nun? bereits geschildert habe, ist es gerade in kleineren Unternehmen wichtig, Innovationen sukzessive umzusetzen und bereits zu einem Zeitpunkt einzuführen, an dem gar kein aktueller Bedarf besteht. Erst recht kein persönlicher…

Ich empfehle folgendes Procedere:

 

1. Stelle den Nutzen für das Unternehmen in den Vordergrund

Der Nutzen für das Unternehmen sollte auf jeden Fall gegeben sein. Sonst wäre es wirklich für Deinen Chef nicht einzusehen, warum er das Ganze angehen sollte. Recherchier also, welche Unternehmen das vielleicht schon umgesetzt haben. Welche Vorteile bietet es? Welche Nachteile haben sich ergeben? Das ist durchaus gut zu wissen. Denn dann kannst Du Dir überlegen, wie Du diese umgehen oder ihnen vorbeugen kannst. Schau nach Presseartikeln, die darüber eventuell schon berichtet haben. (Lass Dich nicht von oftmals negativen Kommentaren dazu abschrecken! Menschen sind nun einmal unterschiedlicher Meinung. Unglücklicherweise neigen wir nur dazu, dass Negative viel öfter auszusprechen als das Positive.) Trage die Vorteile alle zusammen. Idealerweise kannst Du einen wirtschaftlichen Nutzen nachweisen. Ich bin fest davon überzeugt, dass der auf jeden Fall eintritt, wenn die Mitarbeiter motiviert sind und gern ihre Arbeit machen, als solche, die nur Dienst nach Vorschrift machen.

2. Bereite Dich auf mögliche Einwände vor

Du kennst Deinen Chef schon ganz gut? Prima! Dann weißt Du bestimmt schon, welche Formulierungen er benutzt. Welche Einwände er normalerweise wiederholt vorbringt. Schreibe Dir alle genau auf. Frage auch Deine Kollegen. (Das wäre auch eine Möglichkeit, wenn Du Den Chef noch nicht so gut kennst). Je mehr Du sammelst, desto besser kannst Du Dich vorbereiten. Und dann überlege Dir, wie Du auf seine Einwände reagieren kannst. Mit geschickten Fragen, lässt sich der Ball prima zurückspielen. Am Besten funktioniert das in Form einer T-Tabelle:

EINWÄNDE

GEGENFRAGE

Das haben wir noch nie so gemacht!

Was spricht dagegen, es jetzt so zu machen?

 3. Gib die Möglichkeit einer Testphase

Biete Du Deinem Chef doch einmal eine Probezeit an. Das erleichtert die Entscheidung ungemein. So ist sie nicht gleich in Stein gemeißelt. Klappt alles so, wie Du Dir das vorgestellt hast, ist alles bestens. Wenn Dein Projekt erfolgreich ist, wird sich Dein Chef kaum davon abwenden. Denn dann müsste er begründen, warum er ein erfolgreiches Projekt nicht fortführen will. Hat es wider Erwarten bei Euch doch nicht funktioniert, dann ist es eben so und Ihr kehrt zurück zum bis dahin geltenden Status Quo.

Dann will das jeder!

Um noch einmal darauf zurückzukommen… Mal ernsthaft – will das wirklich jeder?

Ganz bestimmt nicht! Nimm doch mal das Beispiel Home Office. Meinst Du, dass will jeder machen? Ich denke nicht. Es soll durchaus Menschen geben, die ihr Privatleben und ihr Berufsleben gern trennen. Oder, die gern mit Kollegen zusammen sitzen und den spontanen Austausch wollen. Was auch immer den einen oder anderen bewegt.

Im April war ich auf dem Karrierekongress WoMenPower in einem Workshop zu „Führen in flexiblen Systemen“. Dort berichtete eine andere Teilnehmerin von einem Unternehmen in Berlin. Dieses hatte es seinen Mitarbeitern komplett freigestellt, ob sie im Büro (was natürlich zur Verfügung stand) oder im Home Office arbeiten wollen. Es haben über 90 % der Mitarbeiter im Büro gearbeitet. So viel zu: Dann will das jeder!

Motivierend ist auf jeden Fall, dass den Mitarbeitern Möglichkeiten geboten werden, aus denen sie wählen können. Dadurch erhalten sie nämlich ein gewisses Maß an Selbstbestimmung und Eigenverantwortung.

 

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Sonnige Grüße

Deine Nicole

 

*Beitragsbild von Unsplash