Diese Frage habe ich mir lange Zeit überhaupt nicht gestellt. Aus dem einfachen Grund, weil ich mir diese Frage selbst mit „JA!“ beantwortet habe. Denn wie so oft im Leben, fängt es mal wieder bei Dir selbst an, ob Du das willst und/oder kannst. Als ich dann selbst Mutter geworden bin und weiterhin meine Führungsposition behalten wollte, wurde das „JA!“ auf einmal auf eine harte Probe gestellt, weil mein damaliger Chef das ganz anders sah, als ich.

Welches Lebensmodell wünschst Du Dir?

Hast Du das vielleicht auch schon einmal gelesen von den Frauen, die tatsächlich mehr als Vollzeit in absoluten Spitzenpositionen tätig sind? Die dann auch gleich noch mehrere Kinder haben?

Wow! Ich muss schon sagen: Respekt! Ungeachtet der Tatsache, dass diese Frauen sich entsprechende Unterstützung kaufen können oder das „Klassische Rollenmodell“ einfach vertauscht haben. Eins steht fest, diese Frauen müssen das wollen und können. Und damit meine ich nicht ihre Kompetenz in ihrem Job – damit meine ich, sich dafür zu entscheiden, sehr wenig Zeit mit ihren Kindern verbringen zu können.

Dann gibt es die Frauen, die sich ganz bewusst dafür entscheiden, erst einmal nur für ihre Kinder da zu sein.

Auch denen gebührt mein absoluter Respekt. So sehr ich meine Kinder auch liebe und so gern ich Zeit mit ihnen verbringe, einzig und allein nur für sie da zu sein? Das könnte ich nun auch wieder nicht!

Ich wollte schon immer Beides. Ehrlicherweise muss ich noch ergänzen, dass mir das Verhältnis, wie viel Zeit ich für Beruf und wie viel für Familie aufbringen wollte, erst klar wurde, als ich meinen Sohn in den Armen hielt.

Mein schwerster und tränenreichster Arbeitsweg war sicherlich der Tag, an dem ich 8 Wochen nach der Geburt meines Sohnes wieder ins Büro gefahren bin. Meinen kleinen Knirps wusste ich durchaus gut versorgt bei der Tagesmutter oder bei meinem Mann, der das erste Jahr in Eltern-Teilzeit gegangen ist (Und der durfte sich übrigens von seinen Kollegen auch so manche blöde Bemerkung anhören!). Aber ich selbst tat mir schrecklich Leid. Ich habe ihn so sehr vermisst. Ein Jahr zuvor noch konnte ich mir das nicht im Entferntesten vorstellen.

Richtig oder Falsch gibt es nicht!

Insofern finde ich es so wichtig, dass wir Frauen zunächst auch untereinander solidarisch sind. Das eigene Lebensmodell zu verteidigen, in dem ich ein anderes schlecht mache, ist doch keine Lösung, oder? Es gibt kein richtig oder falsch. Jede Frau, jede Familie darf, muss und sollte das für sich entscheiden.

Allerdings ist die Bereitschaft, neue Möglichkeiten zu schaffen, wie Frau (oder auch Mann!!!) mit Kind auch mit weniger Zeit einen anspruchsvollen Job ausüben kann, oft noch erschreckend gering. Erstaunlich, wie leichtfertig engagierte und motivierte Mitarbeiter dadurch ausgebremst werden und welche Talente den Unternehmen dadurch verloren gehen.

Gerade gestern habe ich wieder von einem Anti-Beispiel gehört. Eine junge engagierte und ehrgeizige Frau ist Abteilungsleiterin. Anfang nächsten Jahres bekommt sie nun ein Baby. Sie hat einen Partner, der sich ebenfalls um das Kind kümmern wird, bereits ein hervorragendes soziales Netzwerk hat, welches ihr unterstützend zur Seite stehen wird. Sie will noch nicht einmal das volle Jahr in Elternzeit gehen, sondern bereits spätestens nach einem halben Jahr in Teilzeit wieder einsteigen. Sie hat sich also bestens vorbereitet.

Am Anfang vermittelte ihr Chef, dass er dazu bereit sei und er sie auf jeden Fall behalten will. Doch mit zunehmenden Bauchumfang hatte sie das Gefühl, dass man zunehmend einen größeren Bogen, um sie machte.

Und jetzt das: Ihr Chef sagte ihr, dass es super sei, wenn sie so schnell wieder kommt. Nur als Führungskraft – das ging ja nun gar nicht.

Boah! Sorry – aber da platzt mir doch echt die Hutschnur! Ist es eigentlich irgendwo nachgewiesen, dass man als Mutter an Intelligenz verliert und ich habe es noch nicht mit bekommen???

Neue Wege gehen

Ich für meinen Teil, konnte das jedenfalls nicht feststellen. Ganz im Gegenteil. Mütter lernen doch erst recht, sich zu organisieren, sich zu vernetzen, zu improvisieren und auch sich aufs Wesentliche zu konzentrieren.

Und wenn diese Frauen bereit sind, weiterhin einen anspruchsvollen und verantwortungsvollen Job auszuüben, dann werden sie dies auch tun. Schon allein, weil sie sich nicht nachsagen lassen wollen, dass sie ihre Arbeit nicht schaffen. Deshalb ist auch seitens der Arbeitgeber Flexibilität gefragt. Neue Arbeitsmodelle müssen etabliert werden. Es muss doch nicht sofort in Stein gemeißelt sein. Nur testen sollte man es einfach.

Flexible Arbeitsmodelle

Natürlich kann jemand nicht auf einmal in Teilzeit das schaffen, was er vorher in Vollzeit geleistet hat. Ich für meinen Teil bin u. A. ein Fan von Jobsharing. Hierbei bilden zwei Teilzeit-Arbeitnehmer eine Vollzeitstelle. Sie teilen sich entsprechend die Verantwortung für eine Stelle und vertreten sich gegenseitig. Eine, wie ich finde, tolle Plattform dafür haben Jana Tepe und Anna Kaiser mit Tandemploy geschaffen.

Manchmal hilft ja auch schon, wenn man teilweise im Home Office arbeiten kann. Durch die Technik heutzutage sind doch kaum noch Grenzen gesetzt. Einzig und allein die Bereitschaft für neue Perspektiven muss auf allen Seiten vorhanden sein. Dann kann vieles möglich werden. Ich bin überzeugt davon, dass das auf Dauer von Vorteil sein wird.

Es ist möglich!

Familie und Beruf ist meiner Meinung grundsätzlich vereinbar. Es müssen nur alle Beteiligten bereit dazu sein. Und mal ehrlich: Was meinst Du, welche/r Mitarbeiter/in sich wirklich für das Unternehmen, in dem sie/er arbeitet engagiert? Die/Der, der/dem wirklich nur Steine in den Weg gelegt werden? Wohl kaum! Wohl doch eher diejenigen, deren Arbeit geschätzt wird. Ein gegenseitiges Geben und Nehmen ist die Devise.

Welche Erfahrungen hast Du gemacht? Ich freue mich auf Deinen Kommentar.

 

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Sonnige Grüße

Deine Nicole

 

*Beitragsbild von Gerd Altmann