Eine Führungskraft sollte selbstbewusst sein. Ist eigentlich klar. Doch stelle ich gerade wieder öfter fest, dass es offensichtlich doch nicht immer der Fall zu sein scheint. Herausragende Fachkompetenzen allein reichen nicht aus. Die haben viele. Nur den Willen und die Entscheidung Menschen zu führen, treffen Einige anscheinend nicht.

Weshalb komme ich darauf? Ich saß diese Woche im Gespräch mit einer Klientin, die aktuell auf Jobsuche ist. Eine sicherlich gestandene Frau, die schon etwas auf die Beine gestellt hat in ihrem Leben. Selbstständig war sie, hatte gute Positionen. Nun ist sie alleinerziehende Mutter eines schulpflichtigen Kindes. Deshalb ist die Selbständigkeit mit ihrer kleinen Familie jetzt nicht mehr vereinbar. Insofern ist sie bereit in dieser Lebensphase ins Angestelltenverhältnis zurückzukehren und würde auch eine verantwortungsvolle Sachbearbeiter-Stelle annehmen. (Dies soll übrigens nicht die Minderwertigkeit solch einer Stelle zum Ausdruck bringen, sondern verdeutlichen, das ein – nennen wir es hier mal so – Karriere-Rückschritt die Chancen auf diese Stellen nicht gerade erhöhen. Dies steht heute jedoch nicht zur Diskussion.) Dafür bekommt sie bisher allerdings überhaupt keine Einladungen.

Hast Du ein Problem mit einer Mitarbeiterin, die älter und erfahrener ist als Du?

Über eine Empfehlung hatte sie dann ein Gespräch mit einer Personalleiterin, welches grundsätzlich sehr positiv verlaufen ist. Irgendwann kam dann allerdings von der Personalleiterin die Frage: „Haben Sie eigentlich ein Problem damit, wenn Ihre Führungskraft jünger ist als sie?“ Etwas verwundert verneinte sie diese Frage. Daraufhin die Personalerin: „Und wenn diese Führungskraft ein Problem hat, einer älteren Mitarbeiterin gegenüber weisungsbefugt zu sein, was würden Sie dann machen?“ Da war die Verwunderung dann noch größer! Ihre Antwort: „Das wäre dann doch wohl eher das Problem dieser Führungskraft und nicht meins?! Insofern müsste die Führungskraft daran wohl dringend arbeiten.“ Die Antwort: „Ich wäre diese Führungskraft…“

Entwicklungsstopp?

So schön die Offenheit der Personalleiterin auch sein mag, aber das geht meiner Meinung nach gar nicht. Eine Führungskraft sollte so selbstbewusst sein, dass sie Mitarbeiter einstellt, die im Zweifel sogar besser und erfahrener sind, als sie selbst. Mal angenommen, sie würde das nicht tun. Sie stellt nur jüngere oder unerfahrenere Mitarbeiter ein. Welche Chance hätte ein Unternehmen dann noch, sich zu entwickeln und besser zu werden?

Die Mischung macht’s!

Wo bleibt denn da das Diversity Management? Laut Definition bedeutet dies die Anerkennung und Nutzbarmachung von Vielfalt in Unternehmen. Aspekte der Vielfalt im Unternehmen gibt es viele: Sie bestehen nicht nur in der Wertschätzung von Eigenschaften wie Alter, Geschlecht, Herkunft, Bildung und Kompetenzen, Religionen und viele anderen. Sie führen zu unternehmerischen Handlungsfeldern wie der Entwicklung einer Unternehmenskultur, zu deren Werten die Anerkennung die Vielfalt gehört, die Sicherung der Chancengleichheit, der Nutzung von Potenzialen der Vielfalt wie Teambildung, Kreativität oder Wissen, der Förderung von Innovationen auf Basis dieses Potenzials und der Vermeidung von Konflikten durch frühzeitige Einbeziehung von Vielfalt in Managemententscheidungen (aus gabler wirtschaftslexikon).

Entscheide neutral

Wichtig finde ich jedoch auch, dass Du als Führungskraft lernst, Dich abzugrenzen, neutral zu sein. Was meine ich damit? Wir neigen dazu, in alles und nichts etwas hinein zu interpretieren. Blöd nur, dass wir dann die Dinge immer durch unsere eigene Brille sehen und damit wertvolle Chancen verpassen können. Dabei hat jeder Mensch unterschiedliche Beweggründe. Es wäre doch schön, diese zu respektieren und neutral zu betrachten. Neugierig zu sein und nachzufragen, offen zu sein für Alternativen.

Es sind nicht die Dinge, die uns beunruhigen, sondern die Meinung, die wir über diese Dinge haben.“ (Epiktet)

Lerne als allererstes Dich selbst zu führen!

Denn wo liegt denn das Problem der Dame? In sich selbst. Sie hat vermutlich Sorge, dass sie von der älteren und erfahreneren Dame nicht respektiert wird, dass sie Fehler macht. Vielleicht hat sie Angst, dass diese Frau ihr ihre Position streitig mach will. Doch mal ehrlich, dass kann eine jüngere Mitarbeiterin, die forsch und selbstbewusst ist, ebenso oder? Ich weiß nicht, ob ich damit richtig liege. Meistens ist es doch so, dass gerade wir Frauen uns mit anderen vergleichen, unseren eigenen Wert unter den Scheffel stellen, uns selbst immer wieder in Frage stellen und uns selbst oft als weniger kompetent darstellen (oder meinen, dass wir weniger kompetent erscheinen), als wir wirklich sind. Wenn wir uns dadurch weiter entwickeln, mag das alles für eine gewisse Zeit Sinn machen. Es kommt auch sicher immer mal wieder vor. Es darf jedoch kein Dauerzustand sein. Als Führungskraft solltest Du Deine Stärken kennen, Deine Werte leben, Dich mit dem Thema Führung auseinander gesetzt haben, um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Suche nach dem Positiven

Viel besser finde ich es, wenn wir den Fokus verschieben. Im oben geschilderten Fall hätte die Personalerin überlegen können, welche Vorteile es für sie haben könnte, wenn sie eine erfahrene Mitarbeiterin in ihrem Team hätte. Vielleicht hätte sie sagen sollen: „Ich habe schon Respekt davor, was sie im Gegensatz zu mir schon alles erreicht haben. Ich könnte mir vorstellen, dass wir da durchaus gegenseitig von profitieren können.“

Aus meinem Leben

Zum Schluss noch eine Anekdote aus meinem Leben. 😉 Denn auch ich darf trotz langer Berufserfahrung auch immer noch etwas lernen. Auch ich habe meine Leistung lange Zeit vor mir selbst unter den Scheffel gestellt (Schon klar oder? Wenn ich das kann… Ist ja nix Besonderes!). So saß auch ich einmal in einem Vorstellungsgespräch. Zum Abschluss sagte die junge Personaldisponentin zu mir: „Das war total nett, Sie kennen gelernt zu haben und ein ganz tolles Gespräch. Ich muss gestehen, dass ich vor dem Gespräch mit Ihnen echt aufgeregt war. Sie haben ja schon so viel gemacht und erreicht.“

Komisch – da wäre ich vorher niemals darauf gekommen!

Wie steht es um Deine Selbstführung? Ich freue mich auf Deinen Kommentar.

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Sonnige Grüße

Deine Nicole

 

*Beitragsbild von Gerd Altmann